Aufwachsen mit psychisch erkrankten Eltern: Selbsthilfe als Ausweg

Bis zu 30 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Mecklenburg-Vorpommern wachsen laut aktuellen Studien mit einem Elternteil auf, der psychisch erkrankt ist oder an einer Suchterkrankung leidet. Viele von ihnen tragen die Erfahrungen aus ihrer Herkunftsfamilie bis weit ins Erwachsenenleben weiter. In Selbsthilfegruppen können sie, gemeinsam mit anderen Betroffenen, Vergangenes aufarbeiten.

„Viele dieser erwachsenen Kinder berichten, dass sie sich über lange Zeit hinweg einsam und schuldig gefühlt haben“, sagt Dr. Kristin Pomowski von der Landesfachstelle KipsFam. „Die Erkrankung der Eltern wird zum Tabu, was es schwer macht, sich jemandem anzuvertrauen. Im Erwachsenenalter besteht die Chance, das Tabu zu brechen und eigene Bedürfnisse zu erkennen.“ Daher möchte die Landesfachstelle Betroffene ermutigen, Selbsthilfegruppen zu gründen.

Aktuell gibt es in Mecklenburg-Vorpommern kaum Gruppen, die das Aufwachsen mit psychisch und suchtbelasteten Eltern explizit thematisieren. Dabei sind sie auch für Angehörige und die erkrankten Eltern selbst sinnvoll, weiß Pomowski. „Wenn ein Elternteil mit Suchtproblematik beobachtet, wie das Kind auch eine Erkrankung entwickelt – wie geht man damit um? Was macht ein elterlicher Entzug mit dem Kind? Im Austausch lässt sich all das besprechen.“

Damit der Start in die Selbsthilfe gelingt, unterstützen Selbsthilfekontaktstellen in verschiedenen Regionen in MV den Prozess von der Ideenfindung bis zur Organisation erster Treffen. Sabine Klemm von der Kontakt-, Informations- und Beratungsstelle für Selbsthilfegruppen (KISS) in Schwerin unterstreicht: „Teilnehmende empfinden den Austausch als stärkend und heilsam. Sie spüren, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind – es gibt andere, die ticken wie ich.“ Personen, die Verbündete suchen, möchte sie ermuntern, den Kontakt zur KISS zu suchen, um den Prozess anzustoßen.

Diesen Schritt hat auch die Stralsunderin Kerstin Lück gewagt, die mit suchtkranken Eltern aufgewachsen ist. Jetzt gründet sie mit anderen erwachsenen Kindern eine Selbsthilfegruppe. Auftakt ist am 30. April um 16 Uhr in der Mönchstraße 17 in Stralsund – anschließend trifft sich die Gruppe jeden zweiten Dienstag um 16 Uhr. Interessierte sind herzlich willkommen.

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